Combat as War vs. Combat as Sport
«Combat as War» und «Combat as Sport» bedeuten auf Deutsch «Kampf als Krieg» und «Kampf als Sport». Was ist damit gemeint?
Nun, es sind zwei Varianten, wie Kampf im Rollenspiel konzipiert sein kann. Ich habe dazu diese wunderbare Definition auf Reddit gefunden.
Die Definition
«Kampf als Krieg und Kampf als Sport sind gegensätzliche Philosophien in Tabletop-Rollenspielen hinsichtlich der Art und Weise, wie Spielercharaktere in Konflikte verwickelt werden. «Krieg» betont unfaire Kämpfe mit hohem Einsatz, in denen Spieler Stealth, Fallen und Täuschung einsetzen müssen, um zu überleben, während «Sport» sich auf ausgeglichene, faire und oft taktische Begegnungen konzentriert, bei denen der Erfolg von Geschicklichkeit, Ressourcenmanagement und Charakterfähigkeiten abhängt.
Zwei Arten des Rollenspielkampfs
«Combat as War» ist wieder Name sagt, eine Art von Rollenspielkampf, die die Grausamkeit von Krieg zu vermitteln versucht. Es gibt keine Fairness, nur heftig Haue und das kann ziemlich schnell und unvermittelt böse enden. Es versucht mehr so zu sein, wie das, was ich über Mann-zu-Mann-Krieg fand, als ich unzählige Stunden für meinen kommenden Roman recherchierte. Im Kampf gibt es keine Sicherheit und keine Helden. Alle tun, was gerade geht und werden früher oder später verstümmelt und sterben. Natürlich kann auch hier überlebt werden, das ist aber entweder krasse Überlegenheit (sei es Firepower oder zahlenmässige Überlegenheit) oder Glück und Zufall. Bei «Combat as War» ist es gebräuchlich, auch diplomatische, friedliche Lösungen zu suchen und damit den Kampf zu umgehen.
Wogegen «Combat as Sport» das ganze mehr wie ein Videospiel betrachtet. Kampf macht nur Spass, wenn er ausgeglichen ist, wenn ich mit cleveren Spielzügen punkten und mir damit einen Vorteil sichern kann.
Oder noch einmal auf eine andere Art auseinanderdividiert…
Combat as Sport
- Der Kampf selbst ist der spassige Teil des Spiels
- Die Kämpfe sind fair und zu gewinnen
- Der Fokus liegt auf dem taktischen Aspekt des einen Gefechts
- Tendiert zu heroischem Spiel
Combat as War
- Den Kampf auf schlaue Weise zu umgehen, ist der interessante Teil des Spiels
- Es gibt keine Garantie, dass Kämpfe fair gebalanced sind oder überhaupt zu gewinnen
- Der Fokus liegt auf dem übergeordneten, strategischen Aspekt
- Tendiert zu düsterem Spiel
Zwei Anekdoten
Lass mich dazu zwei Anekdoten erzählen. Die erste handelt von einer Spielerin, die sich einen grossartigen Charakter ausdachte, der viele schöne Ideen vereinte und bereits vor dem ersten Spiel ein «build» für die Tagebücher abgab. Wir planten ein nitty-gritty «Combat as War»-System zu spielen und schon nach der ersten Session war klar, wenn es dumm läuft, konnte ein Charakter nach zwei Treffern tot sein. Die Spielerin war schockiert und verlangte Bedenkzeit, ob sie ihren schönen «build» wirklich für ein solches System würde «opfern» wollen. Verständlich.
Die zweite Anekdote ist die, dass ein Kampf stattfand, der komplett «Theater of the Mind» ablief. Also keine Kampfkarte, keine Figuren, keine Feldchen auf dem Tisch. Um so einen Kampf zu geniessen, muss man eben das Kopfkino anwerfen und sich erzählen lassen, was da so geschieht. Für die Spielenden war dieser Kampf allerdings ein einziger Albtraum. Nie war klar, wer wo stand, es ging drunter und drüber, es knallte heftig und es wurde knapp. Als Spielleitung hat man natürlich die Übersicht und auch noch alles in der Hand, als Spieler ist man komplett ausgeliefert und kann nichts dagegen tun. Wenn man denn das Gefühl hat, man müsse etwas tun, respektive gewinnen.
Die Erkenntnis
Beide Erlebnisse beschäftigten nicht nur sichtbar die Spielenden, sondern anschliessend auch mich. Warum? Weil ich möchte, dass alle so viel Spass haben, wie ich ihn habe. Ich möchte, dass sich alle wohlfühlen, nicht zu sehr um ihren Charakter bangen und Kämpfe auch geniessen können. Hätten sie die gleiche Vorliebe für die gleiche Art von Rollenspiel wie ich, würden sie das wahrscheinlich auch.
Ich bin der Geschichtenerleber, mich stört weder eine vorgeschriebene Handlung noch ein unfairer Kampf, noch als Charakter ausgeliefert zu sein (es sei denn es rutscht komplett ins Sadistische ab). Denn all diese Dinge versprechen grosse Monologe, ausgefeilte NSCs, majestätische Plotbögen und klügere Intrigen. Ich will das volle «Ich bin in einem Roman drin»-Erlebnis. Nicht so die drei Leidtragenden meiner Anekdoten.
Die Spielerin aus Anekdote eins kommt von Playstation und Dungeons & Dragons. Die Spielenden der zweiten Anekdote sind vorwiegend Magic The Gathering und Brettspieler. Das sind alles Spiele, die nach klaren Regeln ablaufen und die Balance haben müssen, damit es nicht frustriert. Es sind Spiele, die man taktisch angehen und mit klugen Spielzügen hoffentlich gewinnen kann. Man hat die Übersicht und weiss, was man tut.
In einem Roman, in einem Film, in einem erzählenden Rollenspiel ist das nicht so. Da passieren Dinge, jenseits des Würfelwurfes und abseits von (das lese ich aber nochmal genau nach), weil es eben auch egal ist, weil gerade das den Reiz und eine gute Geschichte ausmacht.
Die Lösung
Dank eines Forumbeitrags, der aufgrund meiner Schilderung von Anekdote zwei entstand, bin ich dann über die beiden Begriffe «Combat as Sport» und «Combat as War» gestolpert. Das hat etwas Licht ins Dunkel gebracht. D&D ist definitiv «Combat as Sport» und «Warlock!» ist definitiv «Combat as War». Ich bin beim Rollenspiel definitiv auf der «Combat as War»-Seite. Der Haken daran – die Spielenden sollten das vielleicht auch zuerst wissen, bevor sie völlig schockiert und desillusioniert werden. Ich habe mein Vokabular jedenfalls weiter aufgestockt und werde das bei der nächsten Runde erläutern.
Der Beitrag Combat as War vs. Combat as Sport erschien zuerst auf Penandpaper.blog.



