Delta Green, PX Poker Night (Rezension)
Dieses Einstiegsszenario befasst sich mit bekannten Tropen, verpackt in ein unangenehmes Abenteuer, das viele Fragezeichen hinterlässt. Ganz Delta Green halt.
Ein verlassener Flugzeugfriedhof auf einer abseitigen, verlassenen Air Force Base in Nebraska. Alle, die hier gelandet sind, sind Tunichtgute, die man hier ruhigstellen wollte. Alles sehr langweilig hier. Das einzige Highlight auf der Basis ist die wöchentliche Pokernacht.
Doch dann: Seltsame Besucher kommen in einem Van auf das Gelände. Eine Spezialmission? Ausgerechnet hier? Der Major bespricht sich mit den Fremden und ordnet an, dass alle Hausarrest haben, bis die Gäste mit dem fertig sind, was sie vorhaben. Womit, dazu mag er keine Antwort geben.
Theorien, Tabellen, Wissenschaft
Mehrere Seiten lang werden Pläne, Räume, Orte, Fahrzeuge, Waffen, Ausrüstungsgegenstände und wo sie zu finden sind aufgelistet. Die Backgroundstory ist so komplex, dass der geneigte Leser einen Knoten im Hirn bekommt. Wer denkt sich bloss so etwas aus? Einerseits ist das faszinierend, andererseits etwas zu gut durchdacht. Lückenlose Erklärungen, die verwirren.
Die wissenschaftlichen Erklärungen und die Atmosphäre sind so dicht, manchmal bezweifle ich, dass übliche Rollenspielerinnen und -spieler damit umgehen können. Ich glaube meine Zweifel könnten daran liegen, dass viele Spieler in meinem Umfeld mehr die Gamer sind, als die Schauspieler. Da kommt es kaum einem in den Sinn, die Verwundeten zu pflegen, eher suchen sie sich eine Waffe und gehen zum Kampf über.
Gänsehaut
Ich bin immer wieder geflasht von Delta-Green-Abenteuern. Es kostet mich immer Überwindung, mich reinzuknien, weil sie so sci-fi-ig und unangenehm sind. Zu wissenschaftlich und «strange». Doch am Ende ist es immer genau das, was mich begeistert und mir eine Gänsehaut verpasst. Es ist kein blutiger Horror, sondern dieser Gedanke von «Dude, wäre das creepy!».

Fiktion
Ein ehemaliger Air-Force-Mechaniker, der das Szenario gespielt hat, hält viele Punkte für nicht realitätsgetreu. Von Abkürzungen, die so nicht geschrieben oder genutzt werden, bis hin zum Versammeln von Schwerenötern auf einer Basis, die dann auch noch Waffen kriegen, um damit etwas zu bewachen, hin zu den Start- und Landebahnen, die es so nicht gäbe. Alles nicht realistisch, sagt er.
Zahlen
Es gibt sechs vorgefertigte Charakter, von denen die meisten auf ihren Bildern freundlich in die Kamera grinsen. Davon sind zwei weiblich und vier männlich. Das Szenario umfasst mit Anhang 34 Seiten und ist verständlich geschrieben. Das Szenario wurde 2013 von Pagan Publishing herausgebracht, als Delta Green noch Teil von Call of Cthulhu war. 2020 wurde es von Dream Arc Publishing neu aufgelegt, die das unabhängige Rollenspiel Delta Green heute verlegen. Es gibt fünf Tabellen auf den wenigen Seiten und zu Beginn gleich einmal 12 NSCs, als Kollegen auf der Base.
Fazit
Das Abenteuer ist ein grossartiger Start für alle Delta-Green-Adepten. Der perfekte Einstieg, um ganz viel mitzuerleben und den Verstand zu verlieren, ganz ohne allzu sehr mittendrin zu stecken. Nicht ganz korrekt. Die Charaktere sind mittendrin, aber nicht zwingend die Protagonisten der Geschichte, was mir sehr gefällt.
Es fällt mir schwer, hier nicht mehr zu verraten. Schliesslich gibt es so viel Grossartiges, was im Hintergrund abgeht. Leider würde dies das Abenteuer spoilern und unspielbar machen. Also Ruhe bewahren und heimlich freuen. Mein Tipp ist, es einfach zu spielen.
Lies auch die Artikel «Delta Green das Rollenspiel» und die Rezension zu «Kontrollgruppe».
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