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  • Pen and Paper Blog: Cthulhu, Isolani in Kamborn (Rezension)
    «Isolani in Kamborn» ist der vierte Abenteuerband zur fiktiven deutschen Stadt Kamborn. Dieses Softcover enthält zwei Abenteuer mit den Titeln «Mordtheater» und «Kurz-kurz-lang» und ist 64 Seiten lang. Erst einmal zur Begriffserklärung. Als Schachspieler (hier gehts zum einzigen Schachartikel auf meinem Blog) freue ich mich darüber, zu wissen, was ein Isolani ist. Und bisher hatten alle Kamborn-Bände von Pegasus eine Schachanspielung im Titel. Da war das Königsgambit, der Zugzwang und das Bauer

Pen and Paper Blog: Cthulhu, Isolani in Kamborn (Rezension)

19. Oktober 2025 um 18:41

«Isolani in Kamborn» ist der vierte Abenteuerband zur fiktiven deutschen Stadt Kamborn. Dieses Softcover enthält zwei Abenteuer mit den Titeln «Mordtheater» und «Kurz-kurz-lang» und ist 64 Seiten lang.

Erst einmal zur Begriffserklärung. Als Schachspieler (hier gehts zum einzigen Schachartikel auf meinem Blog) freue ich mich darüber, zu wissen, was ein Isolani ist. Und bisher hatten alle Kamborn-Bände von Pegasus eine Schachanspielung im Titel. Da war das Königsgambit, der Zugzwang und das Bauernopfer. Ein Isolani ist ein isolierter Bauer, der weder links noch rechts von einem eigenen Bauern gedeckt wird. Der Titel wurde in diesem Fall gewählt, weil die beiden Abenteuer das Thema Isolation beinhalten.

Mordtheater

«Mordtheater» handelt von einer makabren Bühnenshow, deren Höhepunkt der Tod eines Darstellers ist. So wirkt es jedenfalls. Alles wirkt so echt, die perverse Show wird aber immer wieder wiederholt und das mit den gleichen Schauspielern. Natürlich steckt mehr dahinter, als nur ein ausgeklügelter Trick. Ziemlich schauerlich und bedauerlich, was hier abgeht.

Kurz-kurz-lang

Der Titel deutet bereits darauf hin: es geht um Morsecode. Ich habe bisher alle Abenteuer der Kamborn-Sammlung gelesen, aber doch erst eines oder zwei davon geleitet. «Der Monolith» habe ich bereits zweimal geleitet und es war beide Male ein Fest. Der Grund dafür ist, dass dieses Abenteuer eine Blaupause für das Cthulhu-Rollenspiel ist. Ein bisschen Horror, ein bisschen Kampf, ein bisschen Unbehagen – alles schön in einen One-shot verpackt. Empfehlung meinerseits, drum auch in der Liste der 11 relativ weit oben. Es wäre noch weiter oben, wenn diese Liste heute entstünde.

Kurz-kurz-lang klingt auch nach einem tollen Abenteuer mit einer ausgezeichneten Anlage. Der Haken: es erinnert mich so stark an den Monolithen, dass ich es kaum mit jemandem spielen kann, dem ich «Der Monolith» schon geleitet habe. Einach, weil einem zu vieles sofort bekannt vorkommt, auch wenn es kaum etwas miteinander zu tun hat.

Arkhamborn

Kamborn ist das deutsche Arkham und birgt grosses Potenzial. Bisher hat Pegasus sich aber gehütet, oder gar davor gescheut, zu viele Details zur seltsamen Stadt zu verraten. Und das bleibt auch weiterhin so.

Noch ist nicht klar, ob Kamborn ein übergeordnetes Geheimnis in sich birgt, das entdeckt werden kann, oder ob es nur der Schauplatz vieler Abenteuer wird, die kaum zusammenhängen. Beides wäre in Ordnung. Heimlich hoffe ich aber immer noch, dass sich nach und nach ein riesiges, nicht banales Geheimnis lüftet, auf dass mir die Spucke wegbleibe. No pressure, Pegasus Spiele! Ihr kriegt das hin.

Fazit

Ich muss Pegasus zu diesem Band gratulieren. Beide Abenteuer sind sehr stimmungsvoll und machen Lust, sie zu spielen. Spielleitungen rate ich, eher erfahrene Cthulhu-Spielerinnen und -Spieler aufzubieten. Vielleicht ist das eine Fehleinschätzung, aber Neulinge könnten überfordert sein oder den Plot sprengen, wie ich glaube.

Gerne hätte ich noch mutigere, actionreichere und abgefahrenere Abenteuer, die sich zusammenpuzzlen, vielleicht sogar zu einer Kampagne verbinden lassen.

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Der Beitrag Cthulhu, Isolani in Kamborn (Rezension) erschien zuerst auf Penandpaper.blog.

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  • Pen and Paper Blog: Einfacher Cthulhu spielen
    CTHULHU zu spielen ist nicht (immer) einfach. Besonders nicht, wenn man von anderen Systemen herkommt, wo es mehr zu gewinnen gibt. Zum Beispiel Gold, Loot und Erfahrungspunkte. Bei CTHULHU gewinnst du nicht, du verlierst. Den Verstand. Horror ist ein eigenes Genre und das muss man verstehen, mögen und wollen. Wie der Band «Handbuch für die Mythos-Jagd» es auf den Punkt bringt, gehört zum Spielen von CTHULHU (im Englischen Call of Cthulhu) ein gewisses Mindset. Das unterscheidet sich grundlegen

Pen and Paper Blog: Einfacher Cthulhu spielen

14. Dezember 2024 um 12:01

CTHULHU zu spielen ist nicht (immer) einfach. Besonders nicht, wenn man von anderen Systemen herkommt, wo es mehr zu gewinnen gibt. Zum Beispiel Gold, Loot und Erfahrungspunkte.

Bei CTHULHU gewinnst du nicht, du verlierst. Den Verstand. Horror ist ein eigenes Genre und das muss man verstehen, mögen und wollen. Wie der Band «Handbuch für die Mythos-Jagd» es auf den Punkt bringt, gehört zum Spielen von CTHULHU (im Englischen Call of Cthulhu) ein gewisses Mindset. Das unterscheidet sich grundlegend von Fantasy oder Science Fiction.

Wie schon erwähnt, spielen wir gerade die «Masken des Nyarlathotep» von CTHULHU. Exakt zwei Jahre spielen wir nun schon daran. Diese Extremform eine Rollenspielkampagne zu spielen, fordert seine Tribute und die Proben auf geistige Stabilität scheinen bei mir (als Spielleitung) und bei den Spielenden immer öfter auch im echten Leben stattzufinden. Ich mache mir viele Gedanken über das Setting, über Horror-Rollenspiele, über das Würfelsystem, die Psychologie am Tisch und hauptsächlich über meine Vorbereitung und die Work-Life-Balance.

Darum kommen hier sieben Tipps, um CTHULHU «einfacher» spielen zu können. Manche sind schon sehr paradox, sind aber nunmal so. So muss man zum Beispiel fanatisch weiterforschen, obwohl jeglicher gesunde Menschenverstand davon abrät, weil der Charakter nun einmal kein Held ist. Da muss man sich von Echtweltlogik verabschieden, wenn der kosmische Horror kommt, soll aber ansonsten selbst möglichst logisch vorgehen. Ja, so ist das. Darum: Einmal mit den Schultern zucken und ab ins Verderben… ähm, Vergnügen.

1. Du bist eine Investigatorin oder ein Investigator

Und was tun Investigatorinnen und Investigatoren? Sie investigieren. Bei CTHULHU solltest du dir nicht denken: Niemals würde ich in das Haus einbrechen und den Safe aufknacken! Denn du bist im echten Leben kein Investigator. Dein Charakter aber schon. Wenn dein Charakter als Investigator das nicht tut, dann ist das, als ob dein Held bei D&D sagt: «Nö, die Quest ist mir zu gefährlich, ich habe keine Lust den Helden zu spielen. Ich bleib in der Taverne und trinke Ale.» Kann man machen, aber dann entsteht halt kein spannendes Spiel. Helden «helden» nun einmal und Investigatoren investigieren.

2. Keine Angst vor dem Tod

CTHULHU ist als tödliches Rollenspiel bekannt. Man muss es nicht so extrem handhaben, kann auch Pulp spielen oder es einfach abschwächen. Niemand möchte seinen Charakter leichtsinnig ins Verderben schicken, ist mir klar. Wer aber nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer nicht investigiert, der nicht die Welt rettet. Also gehört ein bisschen verlieren bei CTHULHU dazu. Vielmehr als bei zum Beispiel Dungeons & Dragons. Gewöhn dich daran und geniesse, wenn du kannst. Bei D&D heisst es: «Bist du bescheuert, warum läufst du auch direkt in die Falle rein?» Bei CTHULHU ist es mehr so: «Boah! Das ging aber schnell. Tja, Neugier bringt die Katze um.»

3. Nicht alles muss Sinn machen

Ja, du bist vielleicht ein Detektiv, aber nicht jeder ist Sherlock Holmes oder Hercule Poirot. (Die, ganz am Rande, ja eigentlich ein und dieselbe Person sind.) Vielleicht bist du nur ein verwirrter, zu neugieriger Bibliothekar, der aus Versehen in etwas ganz Grosses reingestolpert ist. Oft will man das Geheimnis lüften, das Rätsel lösen… Verabschiede dich davon. Oft macht alles nur bedingt Sinn, weil der menschliche Verstand gar nicht das übermenschlich-göttliche Erfassen und Verstehen kann. Genau darum geht es ja beim kosmischen Horror. Also geniesse schräge Szenen und unbeantwortete Geheimnisse. Das sich alles komisch und manchmal komisch unbeantwortet anfühlt, ist Teil des CTHULHU-Spielgefühls.

4. Du bist keine Heldin oder kein Held

Spielst du CTHULHU, dann sei dir bewusst, dass dein Charakter nicht viel kann. Das ist kein Setting, wo alle mächtige magische Wesen sind. Du hast eine Taschenuhr, mit etwas Glück ein Taschenmesser. Deine Waffe ist dein Notizbuch, ein Revolver wird dich nur bedingt weiterbringen. Denn wenn es kracht, dann krachts gewaltig. Du wirst keine lustigen Zaubereien anstellen, ohne einen bitteren Preis dafür zu zahlen. Erkenntnis bringt geistigen Zerfall. Das ist die Anlage von CTHULHU, finde dich damit ab und geniesse das. Dein Charakter wird nicht glänzen, bei dem was er tut – und trotzdem hat er diesen unbändigen inneren Drang, der Spur zu folgen und herauszufinden, was hinter alledem steckt.

5. Nutze Bibliotheken, Polizeistationen und Zeitungsredaktionen

Die 1920er kannten kein Internet. Folglich ist alles, was es zu erfahren gibt, durch vor Ort nachschauen, bei jemandem nachfragen oder in gebundenem Papier nachschlagen zu erfahren. Wer das Computerspiel «The Sinking City» gespielt hat, weiss, wovon ich rede. Suche regelmässig Informationsquellen auf, um Hinweise und Artefakte zu überprüfen. Finde heraus, was herauszufinden ist und lasse es dann sein. Wer im Spiel ein Buch findet, bekommt am Rollenspieltisch nur das Handout einer Beispielseite, nie ein Buch ausgehändigt. Lies es genau, sei zufrieden.

6. Denke simpel und logisch

Vor hundert Jahren ist niemand «kurz» nach China geflogen, weil da noch nicht viel zu fliegen war. Wenn du um die Welt reist, dann langsam und mühselig, von Ort zu Ort. In Zügen und Schiffen, die teuer und rar waren. Und wenn du weisst, dass du von London nach China an Ägypten vorbeikommst, wirst du eher nicht daran vorbeifahren, ausser du hast einen wahnsinnig guten Grund. Wenn du nicht davon ausgehst, dass du in einen Krieg gerätst, macht es keinen Sinn in London ein Gewehr mit dir herumzutragen. Den Polizeiinspektor zu bestechen oder zu überreden ist unter Umständen einfacher, als ihn einschüchtern zu wollen.

7. Behalte immer das Ziel vor Augen

Wenn CTHULHU-Abenteuer länger werden, wird es kompliziert. Da sind Namen und Orte und Jahreszahlen und Fakten und Zeitpunkte und alles will zu gegebenem Zeitpunkt erinnert werden. Wenn du keine saubere Übersicht hast, zu der alle Zugang haben, wird die Geschichte allmählich ausfransen und die Motivation der Spielenden genauso. Überlege dir regelmässig, was genau euer Ziel ist, warum ihr unterwegs seid, was ihr eigentlich erreichen oder verhindern wollt.

Wenn ihr nichts tut, wird die Welt sich zum Schrecklichsten hin verändern. Im echten Leben würden wir vielleicht denken: «Was soll ich da schon ausrichten?» Doch in CTHULHU, und damit sind wir wieder bei Punkt eins, sind wir Investigatorinnen und Investigatoren und die sind dazu geboren, diese Welt zu retten. Selbst wenn die Erfolgsaussichten dafür denkbar schlecht stehen.

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